Grundlagen MKK


Das Marburger-Management-Konzept im Überblick

MMK


1.1 Grundlegende Überlegungen

Ein Unternehmen ist eine zweckgerichtete, von Menschen gestaltete und entwickelte Organisationsform. Ihr Zweck ist es, Güter und Dienstleistungen bereit zu stellen, welche von Menschen gebraucht und gekauft werden und die damit zu Kunden werden. Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht. Beruflich dahingehend, dass wir als Arbeitnehmer in der Regel Teil eines Unternehmens sind; privat dahingehend, dass wir Produkte und Dienstleistungen anderer Unternehmen für unser eigenes Leben in Anspruch nehmen.
Dabei spielt es keine Rolle, wie groß ein Unternehmen ist oder welche Rechtsform dasselbe hat. Der Kleinbetrieb mit einem bis zehn Mitarbeitern ist ebenso ein Unternehmen wie der Konzern, der mehrere zehntausend Mitarbeitende hat. Jedes Unternehmen hat es mit spezifischen Handlungsfeldern zu tun, in denen es aktiv werden muss, um überleben zu können. Der Unterschied zwischen den Unternehmen ist lediglich der Grad der Komplexität und der Arbeitsteilung im Blick auf die Handlungsfelder. Insofern ist das MMK ein Managementkonzept, welches grundsätzlich für jedes Unternehmen Gültigkeit hat.
Das Marburger-Management-Konzept versteht das Unternehmen als ein Viereckverhältnis von vier Handlungsfeldern, welche in einer ständigen Wechselbeziehung zueinander stehen und sich gegenseitig bedingen. Das Marburger-Management-Konzept wird die einzelnen Handlungsfelder voneinander abgrenzen, die spezifischen Erfordernisse des jeweiligen Handlungsfeldes erörtern und deren Wechselwirkungen beleuchten.

1.2 Das Umfeld des Unternehmens
1.2.1 Das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld
Unternehmen agieren nicht im luftleeren Raum. Vielmehr sind sie eingebettet in ein wirtschaftliches und rechtliches Gefüge, welches ihre Handlungsoptionen mit bestimmt.
Das wirtschaftliche Umfeld wird in der Regel von den Unternehmen mitbestimmt, welche eine ähnliche Zweckbestimmung haben und insofern mit dem Unternehmen einen gemeinsamen Markt bilden. Hier gilt es genau zu analysieren, welche Unternehmen sich auf dem gemeinsamen Markt bewegen, wie sie aufgestellt sind, welche Optionen sie den Kunden anbieten und wo sie besonders attraktiv sind (Stärken-Schwächen-Analyse – Benchmarking). Eine solche Analyse hilft dem Unternehmen, seine spezifischen Besonderheiten und Stärken heraus zu arbeiten und sich auf dem gemeinsamen Markt zu positionieren.
Das rechtliche Umfeld wiederum gibt die Spielregeln vor, in denen sich das Unternehmen zu bewegen hat. Diese Spielregeln können den Umgang mit den Arbeitnehmern betreffen, den Umgang mit besonders Schutzbedürftigen, den Umgang mit den eigenen Zahlen im Sinne von Buchhaltungsvorschriften und Veröffentlichungsvorschriften oder auch ganz grundsätzlich dahingehend, welche rechtliche Verfassung sich ein Unternehmen geben möchte (Rechtsform des Unternehmens). Jedes Unternehmen sieht sich mit einer Fülle von Spielregeln konfrontiert, die es auf den verschiedenen Handlungsfeldern zu beachten gilt, es muss konsequent darauf achten, wo es sich entsprechende Kompetenzen einkaufen muss und wo sie diese selbst vorhält.

1.2.2 Das gesellschaftliche Umfeld
Ebenso wichtig wie die Kenntnisse der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen ist die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Umfeld des Unternehmens. Das gesellschaftliche Umfeld ist der Nährboden, aus dem das Unternehmen seine Kreativität und Handlungsfähigkeit schöpft.

Die Handlungsfelder sind

  1. der Zweck und die Strategie des Unternehmens,
  2. die Mitarbeiter des Unternehmens,
  3. die Organisation des Unternehmens,
  4. die Ökonomie des Unternehmens.
    Im Mittelpunkt des Unternehmens steht der Kunde. Der Kunde ist das systematische Zentrum eines jeden Unternehmens, insofern dieses seine Daseinsberechtigung daraus erfährt, dass es Güter und Dienstleistungen entwickelt und anbietet, welche Menschen und Institutionen nachfragen und für die sie bereit sind, einen Preis zu bezahlen. Ohne Kunden verliert das Unternehmen seine Daseinsberechtigung.
    Eingebettet sind alle vier Handlungsfelder und auch die Kunden in ein rechtliches, wirtschaftliches, gesellschaftliches und ökologisches Umfeld. Die Handlungsfelder münden in einer in sich konsistenten Unternehmensführung.

Zum gesellschaftlichen Umfeld gehört insbesondere:
a) Die Gemeinde, die Stadt, das Land, der Staat, kurz die gesamte gesellschaftliche Geographie, in der das Unternehmen ansässig ist. Das Unternehmen ist nur dann erfolgreich, wenn es in seinem spezifischen Umfeld in Bezug auf seine Größe und seine Handlungsfelder als wertvoll, kooperativ und nützlich angesehen wird.
b) Das Lebensumfeld der Mitarbeiter des Unternehmens. Im Unterschied zu früheren Zeiten wird das Lebensumfeld der Mitarbeiter des Unternehmens gerne außer Acht gelassen. Mit dem Hinweis, dass sei Privatsache, hält sich das Unternehmen aus dem privaten Umfeld des Mitarbeiters weitgehend heraus. Gleichwohl sind das private Umfeld und die berufliche Tätigkeit eines Mitarbeiters eng miteinander verwoben und müssen täglich neu miteinander koordiniert werden. Je komplexer die Wechselbeziehungen sind, umso mehr ist es angeraten, dass das Unternehmen das private Umfeld aktiv in seine Aktivitäten mit einbezieht. Dabei gilt es den schwierigen Balanceakt zu halten, um einerseits das Wohlergehen der Mitarbeiter und des Unternehmens gegenseitig aufeinander abzustimmen und andererseits die Freiheit des Mitarbeiters zu wahren.
c) Die direkten und indirekten Verbindungen und Netzwerke zu anderen Akteuren im gesellschaftlichen Umfeld. Jedes Unternehmen hat Beziehungen zu anderen Unternehmen, Organisationen und Menschen, mit denen es in einem permanenten Austausch und Kontakt steht. Das sind zunächst Lieferanten und Kooperationspartner. Das können auch wissenschaftliche Institutionen sein oder eine Kirchengemeinde. Die aktive Pflege und Erweiterung dieser Netzwerke fördert den Erfolg des Unternehmens und sichert seine gesellschaftliche Reputation und Legitimation ab.
d) Die Kunden des Unternehmens. Der möglichst direkte Kontakt zum Kunden, um seine Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren und eine möglichst lange Kundenbindung aufzubauen, ist das Ziel der Kundenanalyse.


1.2.3 das ökologische Umfeld
Das ökologische Umfeld, das heißt die natürlichen Ressourcen, welche ein Unternehmen für seine Aktivitäten benötigt, rückt in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Betrachtung. Dabei hat sich die Perspektive der Betrachtung verändert. Ging es früher hauptsächlich um die ökonomische Bedeutung der Ressourcen in der Erstellung von Produkten und Dienstleistungen, das heißt um den optimalen Preis für die Ressourcen, so geht es heute vermehrt auch darum, die Nachhaltigkeit dieser Ressourcen zu gewährleisten.
Für ein Unternehmen sind jedoch nicht nur die Ressourcen relevant, welche eine ökonomische Dimension haben, z. B. das Wasser oder die Energie, ebenso wichtig sind natürliche Ressourcen, welche noch keinen Preis oder einen viel zu geringen Preis in der Gesellschaft haben. Negative Nebeneffekte wie Umweltverschmutzung oder Abfallentsorgung werden nicht mit den real entstehenden Kosten für deren Beseitigung bewertet und so in die Preisbildung des Unternehmens miteinbezogen.
Hier findet jedoch ein Umdenken statt dahingehend, dass auch die natürlichen Ressourcen mit einem Preis belegt werden, damit sie in der Ökonomie des Unternehmens berücksichtigt werden können und müssen, zum Beispiel der Co²-Handel.

1.3 Der Zweck des Unternehmens
Jedes Unternehmen muss wissen, wofür es da ist, warum es gebraucht wird, welchen Nutzen die Menschen von diesem Unternehmen haben. Das Unternehmen muss definieren, welche Menschen es anspricht, welche Menschen von den Aktivitäten des Unternehmens einen Vorteil haben sollen. Der Zweck des Unternehmens oder die Bestimmung für andere da zu sein, für andere eine Aufgabe zu haben, das ist die innere Mitte eines jeden Unternehmens.
Die DIN EN ISO 9001:2015 spricht in diesem Zusammenhang von der Kundenorientierung der Organisation. Diese Orientierung ist grundlegend, jedoch muss sie aus dem Unternehmen selbst erwachsen, als gleichsam eigener innerer Beweggrund. Andernfalls wird das Realität, was man bei der Umsetzung der DIN EN ISO 9001:2015 oft beobachten kann: Kundenorientierung wird zu einem Lippenbekenntnis, weil das Unternehmen als Organisation seine eigene Mitte, seine eigene Daseinsmotivation nicht mehr selbst wahrnimmt.
Das Unternehmen, welches seinem Zweck gemäß arbeiten möchte, muss auf drei Ebenen agieren:

1. Normative Ebene oder die Ebene der Selbstvergewisserung
Auf der normativen Ebene wird die Mitte des Unternehmens, sein Zweck und seine Aufgabe als permanenter Prozess der Selbstvergewisserung fixiert und gestaltet.
Oft haben Unternehmen hier ein Leitbild formuliert. Das Problem vieler Unternehmen besteht jedoch darin, dass sie mit der Erstellung des Leitbildes diesen Prozess als abgeschlossen erachten. Dies ist er jedoch nicht und die schwierige Aufgabe besteht darin, ihn bei den Mitarbeitern und in der Organisation als permanent lebendigen Prozess zu gestalten. Dies ist eine Aufgabe der Unternehmenskultur. Hier entscheidet sich, welche Überzeugungen, kulturell und ethisch, in dem Unternehmen wirklich gelebt werden, wie das Leitbild im Unternehmen umgesetzt wird und wie der Zweck und die Aufgabe des Unternehmens immer wieder neu bestimmt werden. Nur durch Veränderung kann die Kontinuität im Unternehmen gewahrt werden.

2. Die strategische Ebene oder die Ebene der Realisierung des Unternehmenszweckes
Die Umwandlung des Unternehmenszweckes in eine Strategie des langfristigen Handelns ist die Kernaufgabe der Unternehmensführung. Hier entscheidet sich, ob es gelingt, den Unternehmenszweck in eine Organisationsstruktur zu überführen, welche beständig und flexibel zugleich ist, um den Zweck in Unternehmensziele zu operationalisieren. Sie muss beständig sein, insofern sie ein geregeltes und zielgerichtetes Arbeiten in Prozessen ermöglicht. Gleichzeitig muss sie flexibel genug sein, um immer neu Innovationspotentiale der Organisation heraus zu arbeiten und zu entwickeln.

3. Die operative Ebene oder die Ebene des täglichen Geschäftes
Die Ebene des täglichen Geschäftes, der unternehmerische Alltag mit seinen vielen Herausforderungen, bestimmt in der Regel das Handeln der Führungskräfte gerade auf der mittleren Ebene. Gleichwohl hat dieses Handeln nur dann langfristig Bestand, wenn es gelingt, die strategischen Ziele des Unternehmens in das operative Geschäft umzusetzen und einzubetten. Unternehmen, welche dies nicht aktiv forcieren, werden zu Getriebenen, sie sind nicht Marktakteure, sondern reagieren nur auf äußere Entwicklungen.
Zwischen allen Ebenen gibt es immer wieder Rückkopplungseffekte. Das heißt, die operative Ebene hat Rückkopplungseffekte zur strategischen Ebene, wenn sich zum Beispiel im operativen Geschäft Ziele nicht umsetzen bzw. gestalten lassen.
Gleiches gilt auch für die strategische und normative Ebene. Die strategische Ebene kann auch zu einer Neubesinnung auf der normativen Ebene führen und unter Umständen den Unternehmenszweck neu bestimmen. Umgekehrt kann die erneute Bestimmung des Unternehmenszweckes zu einem Wechsel in der Strategie führen.
Insofern ist dieses System der drei Ebenen ein offenes und lernfähiges System. Normativ heißt hier nicht, es ist ein für alle Mal gesetzt, sondern es ist der Teil eines Prozesses der Unternehmensführung, bei dem es um die Selbstvergewisserung des eigenen Daseins als Unternehmen und als Führungspersönlichkeit geht.

Drei Ebenen des unternehmerischen Handelns

1.4 Die Mitarbeiter des Unternehmens
Unter dem Begriff „Mitarbeiter eines Unternehmens“ versteht das Marburger-Management-Konzept, alle im Unternehmen Beschäftigten, von der Unternehmensführung angefangen über das mittlere Management bis hin zu den qualifizierten und weniger qualifizierten Fachkräften.
Die Mitarbeiter prägen das Unternehmen, sie sind für den Erfolg und die weitere Entwicklung die entscheidende Größe. Ohne die Mitarbeiter einzubeziehen, oder gar gegen den erklärten Widerstand der Mitarbeiter, kann sich kein Unternehmen weiterentwickeln und erfolgreich sein.

Demzufolge bedeutet Mitarbeiterführung die Gesamtheit aller Aktivitäten eines Unternehmens, damit sich die Mitarbeiter
a) mit dem Zweck und den Zielen des Unternehmens identifizieren können.
b) so in die Organisation eingliedern können, dass sie dort ihre spezifischen Kompetenzen optimal einbringen.
c) in ihren persönlichen und beruflichen Bedürfnissen bestätigt fühlen, sodass sie ihre eigenen Ziele mit denen des Unternehmens zu einem Gleichklang verbinden.

1.5 Die Organisation des Unternehmens
Jedes Unternehmen muss seinen Zweck in einer spezifischen Organisationsstruktur umsetzen. Es muss Prozesse und Arbeitsabläufe generieren, welche geeignet sind, den Unternehmenszweck zu erfüllen. Hier entscheidet sich, ob das Unternehmen in der Lage ist, seine Strategie in langfristig erfolgreiches Handeln umzusetzen und immer wieder neu zu gestalten.
Die Gestaltung der Organisation, angefangen von der einzelnen Stelle bis hin zum Organigramm des Betriebes, verbunden mit der Beschreibung aller wesentlichen Arbeitsprozesse (Verfahren) als System von operativen und strategischen Prozesseinheiten macht den Kern der hier vertretenen Organisationsgestaltung aus.
Wesentlich ist dabei, dass diese Abläufe als Prozesse gestaltet werden. Wobei sich der PDCA1-Prozesszyklus als Basismodell bewährt hat. Arbeiten nach dem PDCA-Zyklus heißt, dass der Mitarbeiter die gesamte Verantwortung für einen Arbeitsprozess übernimmt. Er plant diesen, führt ihn durch, er evaluiert selbst sein Ergebnis und leitet, wenn notwendig, Verbesserungen ein. Der Vorgesetzte als Befehlsgeber verliert bei dieser Form der Arbeitsorganisation seine Funktion.
Die Arbeitsprozesse sind wiederum so zu strukturieren und zu verbinden, dass operative Prozesseinheiten entstehen. Diese vereinigen viele Arbeitsprozesse, die sich jeweils um ein Kundenbedürfnis bzw. Anliegen herum bilden.
Freilich, um so arbeiten zu können, bedarf es kompetenter Mitarbeiter und kompetenter Führungskräfte. Die Organisation der Arbeitsabläufe, sowie der dazu notwendigen Strukturen, ist ein wesentliches Tätigkeitsfeld aller Führungskräfte, gerade auf der mittleren Ebene. Verfügen sie doch in der Regel über die notwendigen fachlichen Kompetenzen, die zur Organisation notwendig sind. Besonders hilfreich ist es, wenn diese Mitarbeiter aus den Handlungsfeldern kommen, welche kompetent in den einzelnen Arbeitsabläufen im Sinne des PDCA-Zyklus arbeiten.



1.6 Die Ökonomie des Unternehmens
Jedes Unternehmen ist genötigt, die verschiedenen Aktivitäten in den Handlungsfeldern in Recheneinheiten abzubilden. Die Recheneinheit ist in der Regel die jeweilige Währung, in der das Unternehmen seinen Zahlungsverkehr abwickelt. Das Unternehmen muss seine Aktivitäten in Recheneinheiten abbilden, um einen Maßstab für die Wirtschaftlichkeit seiner Aktivitäten zu bekommen.
Diese Umrechnung der Aktivitäten des Unternehmens in eine Recheneinheit ist notwendig, um die Relationen, das heißt die Preise bestimmen zu können, welche Kunden aufwenden müssen, um Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens in Anspruch nehmen zu können.
Dabei ist es unerheblich, welche Rechtsform ein Unternehmen hat. Ebenso unerheblich ist es, ob ein Unternehmen sich bestimmte Gewinnziele gesetzt hat oder nicht. Jedes Unternehmen hat eine ökonomische Dimension und wenn es nicht gelingt, die Handlungsfelder des Unternehmens so in Recheneinheiten abzubilden, dass die Erträge die Aufwendungen eines Unternehmens übersteigen, ist das Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Damit ist freilich nicht gesagt, dass die Ökonomie des Unternehmens der alleinige Maßstab für den Erfolg desselben sein kann bzw. sein darf. Und schon gar nicht eignet sich die Ökonomie des Unternehmens dafür, Ziele und Zweck des Unternehmens zu bestimmen. Der Zweck eines Unternehmens kann nicht in der Gewinnmaximierung liegen, sondern nur in der optimalen Erfüllung seines Kundenauftrages.

1.7 Die Aufgaben der Unternehmensführung
Die Unternehmensführung hat die Aufgabe, alle hier beschriebenen Handlungsfelder zu lenken und die entsprechenden Ressourcen für die organisatorische Umsetzung bereit zu stellen.
Dem Management einer Organisation obliegt es, alle Aktivitäten des Unternehmens zu bestimmen, die Strategie zu entwickeln und diese in operative Maßnahmen umzusetzen. Es muss die sich mit der Gestaltung und Ausrichtung der Organisation beschäftigen sowie mit der Führung der Mitarbeiter auf allen Ebenen des Unternehmens. Es muss die Organisation des Unternehmens formen und ständig weiter entwickeln, um das innovative Potential des Unternehmens ausschöpfen zu können. Schließlich ist die Unternehmensführung für die Ökonomie des Unternehmens verantwortlich dahingehend, dass die Erträge des Unternehmens die Aufwendungen übertreffen.
Das Marburger-Management-Konzept ist ein ganzheitlicher Ansatz für die Unternehmensführung, damit diese ihre umfassenden Aufgaben in den jeweiligen Bereichen verstehen, analysieren, definieren und wahrnehmen kann.


Das Menschsein des Menschen

Das Menschsein des Menschen – anthropologische Überlegungen
Der Mensch steht seit Beginn seiner Existenz als Homo sapiens vor einem existentiellen Dilemma. Er nimmt in sich einen Ur-Antrieb wahr, leben zu wollen, weiß gleichzeitig aber nicht, wie er diesen Urantrieb verwirklichen kann. Das Dilemma besteht darin, dass einerseits eine Anforderung im Raum steht – nämlich leben zu wollen – andererseits keine hinreichenden Möglichkeiten bekannt sind, um diese Anforderung zu bewältigen.
Da sich die Umweltbedingungen im Laufe der Evolution, ja im Verlauf menschlichen Lebens selbst, ständig verändern, muss der Mensch sich diesem Dilemma immer wieder neu stellen. Zwischen leben-wollen und leben-können besteht ein Graben, der stets neu überwunden werden muss. Der Mensch will sein Leben erhalten, aber er kann sich nie sicher sein, dass es ihm gelingt.
Diesen Ur-Antrieb zum Leben hat der Mensch gemeinsam mit allen Tieren und Pflanzen. T. & B. Görnitz sprechen in ihrer Untersuchung über die „Evolution des Geistigen“ von einem Urimpuls, dass Leben sich selber bewahren möchte. Das Leben ist demnach ein System, welches selbstgesteuert Informationen aufnimmt, mit dem Ziel, ein an sich unstabiles System zu stabilisieren (vgl. Görnitz 2008).
Was den Menschen als Lebewesen auszeichnet, ist die eigentümliche und stark ausgeprägte Art, wie er diese Situation für sich zu lösen versucht. Dabei hat er mit den höher entwickelten Tieren gemeinsam, dass er zentrisch strukturiert ist, d. h. er nimmt die Welt um sich herum dergestalt wahr, dass er sie auf sich und sein Leben bezieht.
Doch der Mensch geht darüber hinaus. Im Laufe der Evolution entwickelte der Mensch ein Bewusstsein. Ein Bewusstsein, welches ihm ermöglicht, nicht nur das Leben zu erleben, sondern das Erlebte in einen deutenden Sinnzusammenhang für sein Leben zu stellen und so Erfahrungen zu machen. Erfahrung ist die bewusste Stellung einer Wahrnehmung in einem deutenden Sinnzusammenhang. Oder anders gesagt, jede Erfahrung ist die Interpretation einer Wahrnehmung.
So deutet er die Wahrnehmung von der Instabilität des Lebens als Erfahrung der Unsicherheit und erkennt in ihr eine Gefahr für sein Leben. Demzufolge präferiert er Systeme, welche ein gewisses Maß an Stabilität gewährleisten, welche er als Sicherheit begreift.
In dem Maße, wie der Mensch Erfahrungen macht, ist auch sein Tun als subjektgesteuertes Handeln anzusehen, für das er zuständig ist, weil es von ihm ursächlich ausgeht. Das Tier tut etwas, weil es dies gelernt hat bzw. weil es instinktgeleitet ist, der Mensch handelt, weil er sein Tun im Vorfeld als richtig und wichtig begreift, es also in seinem Bewusstsein vorwegnimmt und antizipiert.
Nur deshalb macht es Sinn von Verantwortung zu reden, die der Mensch für sein Handeln hat. Verantwortung heißt, eine Handlung geht ursächlich von einem Menschen aus, für diese ist er zuständig, diese führt er als handelndes Subjekt aus und die Handlung fällt auf ihn als handelndes Subjekt zurück.
Als Handelnder muss der Mensch im Modus der Unsicherheit Entscheidungen zwischen verschiedenen Handlungsoptionen treffen. Er tut dies im Bewusstsein, dass eine bestimmte Handlungsoption besser geeignet ist, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, als eine andere. Wobei der Begriff Ziel in diesem Zusammenhang als ein deutender Sinnzusammenhang gemeint ist, welcher einen Zustand in der Zukunft im Bewusstsein antizipiert hat und in bewussten Handlungsschritten verwirklichen möchte.
Als Entscheidender bewegt sich der Mensch in einem Raum endlicher Freiheit. Freiheit wird hier verstanden als ein Raum, in den der Mensch zwischen mehreren Möglichkeiten seines Handelns auswählen muss. Die Wahl erfolgt nach dem ihm am besten erscheinenden Ergebnis, welches er im Vorfeld antizipiert. Seine Parameter, welche er im Laufe seines Lebens entwickelt, geben ihm dabei die Orientierung, den notwendigen Rückbezug, der praktische Freiheit haben muss. Endlich ist diese Freiheit, weil die Wahlmöglichkeiten im Rückbezug auf die eigenen Handlungsparameter immer begrenzt sind.
Als Entscheidender möchte der Mensch diesen Raum endlicher Freiheit selbst ausfüllen. Es ist dem Menschen eigen, so handeln zu wollen, wie er es als Vorzugswürdig begreift. Von daher begründet sich sein Wunsch nach Autonomie. Das griechische Wort autonomos bedeutet wörtlich, sich selbst Gesetz sein zu dürfen. Und das heißt im Raum endlicher Freiheit, nach den eigenen vorzugswürdigen Parametern zu entscheiden und zu handeln.
Die Entwicklung des Bewusstseins ermöglicht dem Menschen ferner, einen deutenden Sinnzusammenhang über das eigene Selbst zu entwickeln, mithin zu einem Selbstbewusstsein zu kommen und in der Deutung des Selbst Selbsterfahrungen zu machen.
Die Entwicklung des Bewusstseins, seiner exzentrischen Struktur, ermöglicht dem Menschen auch, deutende Sinnzusammenhänge d. h. Modelle zu entwerfen, wie das Leben gelingen kann, was das Eigentliche im Leben ist. Damit wird die Kategorie Sinn entwickelt und vom Menschen gefüllt. Sinnvoll ist etwas, was das gelungene Leben fördert.
Als Handelnder ist es dem Menschen möglich, die vergebene Umwelt, die er wahrnimmt, umzugestalten und Neues zu entwickeln. Der Mensch ist nicht nur Entdecker, er ist Erfinder, er ist Schöpfer seiner eigenen Wirklichkeit. Durch seine Offenheit hat der Homo sapiens sich seine Wirklichkeit erschaffen, indem er Handlungsoptionen, welche in der Natur als Potenziale – als reine Möglichkeiten – vorhanden waren, zur Realität werden ließ.
Ein kleines Beispiel mag dies verdeutlichen. Der Homo sapiens im Zeitalter der Altsteinzeit, lebte selbstverständlich in einer Welt, in der er nur sehr begrenzt seine Wirklichkeit gestalten konnte. Das meiste erschien ihm als vorgegeben und nicht beeinflussbar. Dennoch hat auch er Wirklichkeit gestaltet. Indem er herausfand, dass bestimmte Steine über eine sehr hohe Festigkeit verfügen und sich gleichzeitig auch bearbeiten lassen, hat er Werkzeuge und Waffen entwickelt. Beides sind nun Gegenstände, welche es so in der Natur nicht gab, nur in ihrer Potenzialität, nicht aber in ihrer Realität. Er hat die Potenziale erkannt, verschiedene Faktoren im eigenen Handeln miteinander kombiniert und durch Erfahrung optimiert und so Dinge erschaffen, die weit über das hinausgingen, was die Natur ursprünglich als Realität zur Verfügung gestellt hat. Er hat eine neue Wirklichkeit konstruiert und erschaffen.
Ein anderes Beispiel: Vor 300 Jahren wäre schon die „normale“ analoge Telefonkommunikation als technisch unmöglich eingestuft worden. Vor 40 Jahren galt gleiches für die moderne digitale Mobilfunkkommunikation. Unmöglich deshalb, weil das technische Bewusstsein der Menschheit noch nicht so weit war, um aus dem, was die Wirklichkeit an Potenzialität bietet, Realität für den Menschen werden zu lassen.
In diesem Zusammenhang ist auch die Erfahrung einzuordnen, dass der Mensch die Erfahrung macht, dass die Güter, welche er zum Leben braucht, grundsätzlich nicht in beliebiger Menge zur Verfügung stehen. Dies betrifft sowohl Güter, die er in der Natur vorfindet, wie z.B . Früchte, Holz, Steine als auch Dinge, die der Mensch selbst anfertigt. Die Erfahrung der Knappheit ist eine anthropologische Grunderfahrung des Menschen, welche sein Handeln bis heute nachhaltig prägt. Er ist in Lebensbedingungen hineingestellt, in eine Umwelt und eine Mitwelt, welche ihm zwar Lebensmöglichkeiten einräumen, ihm diese aber nicht unbegrenzt zur Verfügung stellt. Insofern sieht der Mensch es als geboten an, sein Handeln so zu strukturieren, dass er möglichst wenige Ressourcen verbraucht und sein Handeln effizient ist. Er handelt wirtschaftlich.
In diesem Zusammenhang steht auch das Vermögen des Menschen, im Dialog mit anderen und in Auseinandersetzung mit der sich ihm umgebenden Welt, verlässliche (Theorie-)Modelle zu entwickeln. Diese Modelle führen mitunter zu hoch spezialisierten Handlungsabläufen, die wiederum in der Lage sind, bestimmte Ziele verwirklichen zu können.
Die Entwicklung des Bewusstseins führt auch dazu, dass aus Sinneseindrücken bewusste Gefühle werden. Ein Gefühl ist das bewusste emotionale Erleben mit Blick auf seine Bedeutung für das eigene Leben. Indem der Mensch sich seiner Gefühle bewusst wird, verfügt er über einen Kompass, welcher ihm die Bedeutung der Erfahrungen für die Sicherung der eigenen Existenz anzeigt. Gefühle sind nach diesem Verständnis ein Akt der Bewusstwerdung der Bedeutung bestimmter Sinneseindrücke für den gesamten zentrischen Organismus. Dem entsprechen die Forschungen von Eibesfeld 1972,[SA3] S. 3–59).
Die Entwicklung des Bewusstseins führt auch dazu, dass der Mensch bestimmte Erfahrungen und Gefühle als besonders bedeutsam für das eigene und das Leben generell erkennt und diese wiederum in deutenden Sinnzusammenhängen, das heißt in Modellen abbildet. Bedeutsame Erfahrungen sind für den Menschen solche, deren Vorzugswürdigkeit sich ihm für ein gelingendes Leben erschlossen haben.
Bedeutsame Erfahrungen sind:

  • Die Erfahrung von Gefühlen der Geborgenheit und Nähe.
  • Die Erfahrung von Gefühlen der Liebe und Wertschätzung.
  • Die Erfahrung der gemeinsamen Kommunikation.
  • Die Erfahrung von Gemeinschaft mit anderen Menschen.
  • Die Erfahrung von Sinn oder Erfolg-
    Der Mensch kann antizipieren, d. h. im Bewusstsein vorwegnehmen, dass ohne diese bedeutsamen Erfahrungen ein gelungenes Leben nicht denkbar ist.
    Schließlich macht der Mensch die Erfahrung, dass all sein Handeln auf eine fundamentale Lebensorientierung angewiesen ist, die er selbst nicht machen kann, sondern die sich ihm im Modus des Empfangens erschließen muss.

Der Mensch und seine Freiheit

Der Philosoph Immanuel Kant formulierte dieses Verständnis von Freiheit klassisch in seiner kleinen Schrift „Was ist Aufklärung“: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“[SA4] Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. (vgl. Kant Bd.9 1983,53) Und später führt Kant aus: „Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“ (vgl. Kant Bd.9 1983,5; vgl.Eisler, 2002, 50.[SA5])
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass es freilich bis heute Kritiker dieses Freiheitsverständnisses gibt. Ihre Begründung ist, dass der Mensch immer von Beweggründen geleitet sei, die er selbst nicht bestimmen könne. Insofern sei alles Vorherbestimmt. In seiner theoretischen Gestalt ist die These vom absoluten Determinismus unwiderlegbar, aber auch unbeweisbar. Sie ist eine These, deren sich selbst erfüllende Prophezeiung in ihr selbst liegt, ähnlich wie in dem Satz: Ein Kreter sagt, dass alle Kreter lügen.
Im strengen Sinne ist dieser Determinismus des Menschen, wie Härle in einem anderen Zusammenhang, nämlich im Blick auf den theologischen Determinismus ausführt, „theoretisch unwiderlegbar, […] allerdings auch unbeweisbar. […] Dann wären alle Annahmen, Vermutungen und Gewissheiten, die besagen, dass es so etwas wie menschliche (Handlungs-) Freiheit oder Verantwortung gibt Irrtümer. Das hieße aber: Es wäre nur scheinbar sinnvoll, Motive gegeneinander abzuwägen, sich an Werten oder Geboten zu orientieren, Buße zu tun, andere zur Rede zu stellen, nach Gründen zu fragen, die Zukunft zu planen etc. D.h. nicht, dass all dies unter den Bedingungen des Determinismus nicht mehr geschähe […], und es heißt auch nicht, dass es dann sinnvoll wäre es zu unterlassen [denn auch das wäre ja determiniert: D.V.], sondern es heißt, dass die Kategorie Sinn nicht mehr – sinnvoll – auf menschliche Handlungen angewandt werden kann.“ (Härle[SA6] 2009,1). [SA7] Diese Ausführungen von Härle sind insofern interessant, als sie deutlich machen, dass ein strenger theoretischer Determinismus sich jeder Argumentation entzieht. Die These des theoretischen Determinismus ist eine sich immer selbsterfüllende Prophezeiung, und insofern der Erfahrung gerade entzogen.
Damit aber wird diese These für das menschliche Leben letztlich irrelevant und trivial. Die These ist theoretisch irrelevant, weil sie zu keiner sinnvollen Modellbildung beitragen kann, vielmehr eine sich selbst bestätigende unhintergehbare und nicht falsifizierbare Aussage ist. Trivial ist die These, weil sie keinen für das menschliche Handeln orientierenden Erkenntnisgehalt beinhaltet.
Auch hier lohnt sich ein Blick auf die Philosophie Kants. In seiner transzendentalen Dialektik in der dritten Antinomie führt er aus, dass mit der theoretischen Vernunft Freiheit weder zu beweisen noch zu wiederlegen sei. (vgl. Kant, Bd. 4 1983[SA8], 426ff.) Die Aussage, es gibt immer ausschlaggebende Beweggründe, die den Menschen steuern, ist theoretisch nicht zu widerlegen. Wenn man philosophisch von einem strengen Realismus ausgehe, könne von Freiheit nicht mehr gesprochen werden kann. „Denn, sind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so ist Freiheit nicht zu retten. Alsdann ist Natur die vollständige und an sich hinreichend bestimmende Ursache jeder Begebenheit, und die Bedingung derselben ist jederzeit nur in der Reihe der Erscheinungen enthalten, die samt ihrer Wirkung, unter dem Naturgesetze notwendig sind“. (Kant Bd. 4 1983, s, S[SA9]. 526). Man kann diese Form des Realismus auch bei manchen Neurowissenschaftlern beobachten und es ist interessant, dass Kant hier zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kommt wie der Konstruktivismus.
Gleichwohl basiert die ganze Ethik Kants auf den Gedanken der Freiheit, die nicht zu beweisen, aber zu postulieren ist. Ein Postulat ist für Kant eine notwendige Denkvoraussetzung, die zwar theoretisch nicht zu beweisen ist, jedoch aus praktischen Gründen vorauszusetzen unumgänglich ist (vgl. Kant Bd. 6[SA10], S. 264ff.) Die Freiheit ist für Kant solch eine notwendige Denkvoraussetzung, ohne sie könnte Moralität und Sittlichkeit, wir würden heute Verantwortung sagen, nicht bestehen (vgl. Eisler 2002, [SA11]S. 427) Freiheit ist ein Postulat der praktischen Vernunft.

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